SOS in der Pflege

Offener Brief an den Gesundheitsminister Herrn Spahn, das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin, alle Pflegekassen und -verbände, die Agentur für Arbeit, das Landesamt für Einwanderung Berlin (Ausländerbehörde) und alle Arbeitgeberverbände

Berlin – eine Millionenstadt- mit einem großen Anteil an älteren und pflegebedürftigen Menschen wurde von dem neuartigen Corona-Virus plötzlich überrollt. Die Corona-Pandemie hat als erstes die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen getroffen.

Pflegebedürftige Menschen die aus dem Krankenhaus entlassen und in die Pflegeeinrichtung zurückverlegt wurden, haben sich mit dem SARS-CoV-2 infiziert. Angehörige die zuvor ihre pflegebedürftigen Familienmitglieder täglich besuchten, dürfen nun nicht mehr kommen. Viele Pflegekräfte die mit den Infizierten in engem Kontakt stehen und dies auch müssen, stecken sich prompt an und müssen in Quarantäne. Wer bleibt nun am Bett? Wer betreut und pflegt die Kranken, pflegebedürftigen und hilflosen Menschen in der Not? Man muss mit Bedauern feststellen, dass Ihre Personalpolitik in der Pflege versagt hat.

Das seit zwei Jahren diskutierte und vom Steuerzahler finanzierte Fachkrafteinwanderungsgesetz funktioniert nicht.

Über die Medien erreichen uns täglich Nachrichten über Leiharbeiter für die Spargelernte. Mit Bewunderung und Enttäuschung stellen wir fest, dass bis zu 40.000 Arbeiter aus den osteuropäischen Ländern zur Spargelernte während der Corona-Pandemie ohne weiteres einreisen dürfen. Was ist mit den Pflegekräften? Ist der Luxusartikel wichtiger als die Pflege von unseren Großeltern, Eltern und Kindern?

Mehrere Jahrzehnte spendete Deutschland Hilfe und Trost an alle Ländern die in Not waren. Millionen von Euro sind bereits geflossen und fließen in Hilfspakte, tausende Fachkräfte werden ins Ausland gesendet. Jetzt befinden wir uns in Not und brauchen dringend Unterstützung. Und wo bleibt sie? Mit Enttäuschung mussten wir feststellen, dass ausländische Fachkräfte ungern nach Deutschland einreisen, weil der bürokratische Aufwand für das Visum, die Arbeitserlaubnis und die Anerkennung der ausländischen Ausbildung zu umständlich und langwierig ist. Und bedauerlicherweise bleibt das auch in Zeiten der Corona-Pandemie weiter so!

Warum dürfen kurzfristig 40.000 Spargelhelfer während der Pandemie einreisen um die Spargelwirtschaft zu retten und Pflegefachkräfte die dringend für die notwendige Versorgung der Kranken und Pflegebedürftigen gebraucht werden nicht? Deutschland braucht JETZT Pflegekräfte und nicht erst in 12 – 24 Monaten nach endlosen Visaanträgen, Anerkennungsverfahren usw.!!

Wir haben zahlreiche qualifizierte, ausländische Bewerber mit Grundkenntnissen in Deutsch. Alle würden sofort nach Deutschland kommen, auch währende der Corona-Pandemie. Wir als Arbeitgeber sind bereit diese Leute einzustellen. Neben ihrer Tätigkeit als Pflegekräfte ermöglichen wir ihnen die Weiterentwicklung ihrer Deutschkenntnisse in Kursen. Außerdem stellen wir als Arbeitgeber eine Unterkunft zur Verfügung und übernehmen die Kosten für den Sprachkurs.

Wir heißen in Deutschland Volontäre, freiwillige und ehrenamtliche Kräfte jederzeit willkommen aber die Integration realer Steuerzahler wird durch umständliche und langwierige Bürokratie erschwert. Unser Unternehmen hat qualifizierte Pflegekräfte, reale Steuerzahler für systemrelevante Berufe an der Hand und darf diese nicht einwandern lassen. Uns sind in jeglicher Form die Hände gebunden. Wir schreien um Hilfe, werden aber nicht gehört und nicht wahrgenommen. Dabei hätten wir die Möglichkeit den Fachkräftemangel zu bekämpfen und uns Hilfe zu holen!!

Unser Unternehmen hat jahrelange Erfahrung mit arbeitsbedingter Immigration von ausländischen Pflegekräften. Mehrere unserer Mitarbeiter kommen ursprünglich aus Rumänien, Mazedonien, Polen und anderen Ländern. Sie fingen als Pflegehilfskraft an, wir unterstützten sie bei diversen Anträgen, Behördengängen, stellten Unterkünfte zur Verfügung, organisierten Sprachkurse und übernahmen alle Kosten. Nach endlos erscheinenden Anerkennungsverfahren der ausländischen Diplome arbeiten sie mittlerweile als examinierte Gesundheits- und Krankenpflege bei uns. Und Eins sei Ihnen gesagt, die Arbeit ist durch die Anerkennung nicht qualifizierter geworden.

Nach unserer Erfahrung benötigen engagierte Mitarbeiter mit einer guten Auffassungsgabe ca. 1,5 bis 2 Jahre um die deutsche Sprache auf dem Niveau B2 zu erlernen. Dabei arbeiten sie ständig mit deutschen Kolleginnen und Kollegen zusammen, verbringen mit ihnen die Freizeit im Fitnessstudio, in Restaurants oder in der S- und U-Bahn. Ihre Kinder besuchen deutsche Kindergärten und Schulen. Bessere Voraussetzungen können wir ihnen nicht bieten um ihnen die Sprache und die Mentalität von Deutschland näher zu bringen. Sprachkenntnisse im Niveau B1 vor der Einreise vorauszusetzen oder das Niveau B2 für die Anerkennung der ausländischen Diplome zu verlangen ist aus unserer Sicht zu hoch gegriffen. Das erschwert unserer Ansicht nach nur unnötig die Einreise der dringend benötigten, vorhandenen, ausländischen Pflegekräfte.

Wir fordern daher ein vereinfachtes Verfahren mit einer bevorzugten Behandlung für Pflegekräfte. Die vorhandene ausländische Ausbildung und das Bestreben in Deutschland arbeiten zu wollen, müssen für ein Visum und eine Arbeitserlaubnis ausreichen. Die Sprachkenntnisse müssen während der Arbeit hier vor Ort erlernt werden. Nur so können wir Pflegefachkräfte aus dem Ausland gewinnen.

Es ist Zeit sofort zu handeln!!! SOS!!!

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